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„Ich rate den jungen Leuten, die Unterstützung, die angeboten wird, auch anzunehmen“

Viele Wege führen zum Traumjob: Beim Schnuppern erkundet man einen Beruf live und vor Ort. Foto: colourbox.de

11.11.2021

Als JobCoach im Einsatz: Robert Sluga erzählt, wie er Jugendlichen bei der Suche nach einer passenden Lehrstelle hilft.


Das Abklären von Berufswünschen, die Suche nach Schnupperplätzen, das gemeinsame Erstellen von Bewerbungsunterlagen sowie das Vorbereiten auf Aufnahmetests und Vorstellungsgespräche – das alles gehört zu den Aufgaben der JobCoaches des Jugend-Service des Landes OÖ. Einer von ihnen ist Robert Sluga. Der 39-Jährige ist seit 2010 in der Jugendberatung und im JobCoaching tätig und in den Gebieten Eferding, Kirchdorf und Wels im Einsatz. Wir haben mit ihm über seinen Arbeitsalltag und die Herausforderungen für die Jugend in der heutigen Arbeitswelt gesprochen. 
    

Herr Sluga, wie genau läuft ein solches Coaching ab?

Robert Sluga: „Wir unterstützen die jungen Leute im Übergang von der Schule zum Beruf oder zur Lehrstelle. Manchmal melden sich die Jugendlichen selbst bei uns, manchmal sind es die Eltern. Nach der Kontaktaufnahme wird ein Erstgespräch vereinbart, bei dem es zunächst einmal darum geht, sich gegenseitig besser kennenzulernen und die Interessen bzw. Vorstellungen des Jugendlichen zu definieren. Ob dieses Gespräch telefonisch oder persönlich stattfindet, richtet sich ganz nach den individuellen Wünschen der Klienten. Gemeinsam schaut man sich dann an, in welche Richtung es in Zukunft gehen könnte. Ist die Phase der Berufsorientierung abgeschlossen, beginnt die Lehrstellensuche und schließlich geht es ans Schreiben der Bewerbungen.“

Robert Sluga begleitet junge Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft. Foto: Land OÖ/Schauer
Robert Sluga begleitet junge Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft. Foto: Land OÖ/Schauer

Wer kann ein solches JobCoaching in Anspruch nehmen?

„Das JobCoaching kann von 12- bis 26-Jährigen kostenlos genutzt werden. Wir haben in jeder Bezirkshauptstadt ein Büro und führen auch Workshops an Schulen durch.“

In welchem Zeitraum werden die Jugendlichen unterstützt?

„Die Länge der Betreuung ist ganz individuell. Manche Jugendliche kommen regelmäßig ein- bis zweimal in der Woche, anderen wiederum reicht ein Orientierungsgespräch aus. Grundsätzlich reichen unsere Aufgaben von der Hilfe bei der Berufsorientierung bis hin zur Unterstützung bei Aufnahmetests und der Bewerbung. Aber auch, wenn ein Jugendlicher die Lehrausbildung bereits absolviert hat und irgendwelche Probleme auftreten, sind wir natürlich da.“

Welche Herausforderungen in Bezug auf die Berufsorientierung hat die Pandemie für die jungen Leute gebracht?

„Vor allem im ersten Lockdown war es hart für die Jugendlichen. Die Suche nach einer Lehrstelle gestaltete sich schwierig, da unter anderem die Schnupperangebote ausblieben. Grundsätzlich nahmen die Sorgen und die psychischen Belastungen der jungen Leute zu, vor allem durch den Verlust der sozialen Kontakte. Auch viele Eltern waren sehr besorgt, das haben wir natürlich mitbekommen. Das Angebot an Lehrstellen ist aber trotz Krise nach wie vor groß und der Lehrstellenmarkt bunt und vielfältig. Die Betriebe suchen jetzt wieder verstärkt Nachwuchs.“

Haben Sie allgemeine Tipps für junge Leute, was die Lehrplatzsuche und die Bewerbung angeht?

„Man sollte mit der Suche nach einer Lehrstelle bald genug starten und am besten bereits im Oktober oder November beginnen, die Unterlagen zusammenzustellen. Spätestens gegen Weihnachten sollte es dann ans Bewerben gehen. Hier trifft der Spruch ,Der frühe Vogel fängt den Wurm‘zu. Beim Bewerbungsschreiben ist es vor allem wichtig, zu betonen, was seine Stärken sind und warum man gerade diesen Job machen möchte. Und bitte keine Standardbewerbungen verschicken, sondern das Schreiben für jede Firma ein klein wenig individuell gestalten! Man kann sich dazu vorab zum Beispiel die Homepage des Unternehmens ansehen.

Ein weiterer Tipp ist, Bewerbungen breiter zu streuen! Die allererste Bewerbung ist meist nicht gleich erfolgreich, dadurch darf man sich aber nicht demotivieren lassen. Man sollte sich auch nicht zu sehr auf einen Lehrberuf versteifen, sondern verwandte Berufe in Betracht ziehen, die ebenfalls Spaß machen könnten. Es gibt so viele verschiedene Lehrberufe, dennoch werden sehr oft die gleichen in Erwägung gezogen. Und noch ein Tipp an die jungen Leute: Nehmt die Unterstützungsangebote, die vorhanden sind, auch an! Einerseits natürlich vonseiten der Eltern und der Familie, aber ich meine damit auch die allgemeinen Angebote zur Berufsorientierung: an den Schulen, im Coaching, bei Schnuppertagen. Nutzt das Angebot, dazu ist es ja da!“

An welche Erlebnisse während Ihrer Zeit als JobCoach denken Sie gerne zurück?

„Wenn Jugendliche einen Schulabbruch in Betracht ziehen, bricht für viele Eltern erst einmal eine Welt zusammen. Dann zeigen wir ihnen aber auf, welch individuellen Möglichkeiten es gibt. Oft erscheint eine Situation aussichtslos, man findet aber gemeinsam einen Weg. Schön ist es, wenn man dann ein positives Feedback und Wertschätzung erhält, von den jungen Leuten oder deren Eltern.

Letztes Jahr war beispielsweise ein junges Mädchen bei uns im Coaching, dessen Noten nicht die allerbesten waren, das aber den Herzenswunsch hatte, Kfz-Mechanikerin zu werden. Die junge Dame schraubte privat schon viel an Autos und hatte praktische Erfahrungen, die so manchen Burschen in den Schatten stellen konnten. Also gingen wir das Ganze anders an als sonst. Wir erstellten den Plan, dass die Klientin die Werkstätten in ihrer Region persönlich abklappern würde, anstatt zuerst die Bewerbung rauszuschicken. Dort sollte sie dann vor Ort nach Schnuppermöglichkeiten fragen, um mit ihrem Wissen punkten zu können. Das tat sie auch und prompt kamen zwei Jobangebote von Betrieben, die sie unbedingt haben wollten!

Schön ist auch, wenn sich die Leute, die man gecoacht hat, nach dem Lehrabschluss wieder melden und auf einen zurückkommen oder wenn Eltern bereits ihr älteres Kind zu uns geschickt haben und dann auch mit dem jüngeren Bruder oder der jüngeren Schwester zum Coaching kommen. Da merkt man, dass die Arbeit erfolgreich war und wertgeschätzt wird.“

Das JugendService findet man 14 Mal in Oberösterreich. Kontakt unter www.jugendservice.at/regional.