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"Wir versuchen gemeinsam, das Interesse am Auto zu wecken"

Der Vorstand des Linzer Autofrühlings (v. l.): Bernd Kirisits, Ernest Wipplinger, Michael Schmidt, Christoph Günther Foto: OÖN

17.03.2021

Interview mit Michael Schmidt, Präsident des Ausstellungsvereins der Linzer Autohändler


OÖN: Herr Präsident, wie schon im Vorjahr kann der Linzer Autofrühling leider auch heuer nicht in der gewohnten Form stattfinden. Was haben sich die beteiligten Händler überlegt, um die Fülle an neuen Automodellen den Interessenten, Käufern und Autofreunden trotzdem nahebringen zu können?

Michael Schmidt: Der Linzer Autofrühling ist seit 50 Jahren DAS Highlight des Jahres – nicht nur für die Aussteller, sondern auch für alle Oberösterreicher. Wir sind alle sehr froh, dass wir die Schauräume wieder öffnen durften und wir haben eine Vielzahl von neuen Modellen zum Angreifen, Fühlen, Probesitzen und Testfahren in unseren Autohäusern.


"Mit diesem Magazin kann der Autofrühling trotz Corona zu den Menschen nach Hause kommen."

Michael Schmidt, Präsident des Linzer Autofrühlings


Deshalb haben wir uns auch entschlossen, dieses Autofrühling-Magazin in den OÖNachrichten mit den wichtigsten Neuigkeiten zu machen – quasi zum Gusto holen. Damit kann der Autofrühling trotz der Corona-Pandemie zu den Menschen nach Hause kommen – wenn man schon nicht ins Design Center kommen kann. Und wir Händler freuen uns anschließend natürlich auf zahlreichen Besuch in unseren Schauräumenf.

Wie hat denn die Corona-Pandemie generell die Einstellung zum eigenen Auto verändert?

Die Bedeutung des eigenen Autos hat in der Pandemie stark zugenommen, das Autofahren an sich erlebt derzeit ein Revival. Das zeigt sich auch daran, dass die Fahrgastzahlen in Zug, Bus oder Straßenbahn signifikant gesunken sind. Es ist mittlerweile ja so, dass viele Menschen sogar die Strecke Linz-Wien-Linz oder Linz-Salzburg-Linz wieder mit dem Auto fahren.

Im nächsten Jahr soll der Autofrühling wieder im Design Center in Linz stattfinden – aber wohl in anderer Form. Foto: Weihbold
Im nächsten Jahr soll der Autofrühling wieder im Design Center in Linz stattfinden – aber wohl in anderer Form. Foto: Weihbold

Die Mobilität und damit auch die Autoindustrie stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Was sind denn aktuell die drängendsten Herausforderungen für den Autohandel?

Eine große Herausforderung ist, dass deutlich weniger mit dem Auto gefahren wird – obwohl das eigene Auto zuletzt an Bedeutung gewonnen hat. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Kilometerleistung im vergangenen Jahr um 20 bis 25 Prozent gesunken. Es fielen ja viele Urlaubsfahrten weg wie etwa das verlängerte Wochenende in Italien oder das Skiwochenende.

Das hat natürlich Auswirkungen auf den Handel und vor allem auf die Werkstätten. Eine weitere Herausforderung ist das Thema Digitalisierung und Online-Handel. Ein Hersteller hat jüngst angekündigt, seine neuen Elektroautos nur noch online zu verkaufen.

Ein wesentlicher Punkt hat sich jedoch seit dem ersten Linzer Autofrühling trotz der vielfältigen Informationsmöglichkeiten und neuer Vertriebswege nicht geändert: Es geht nichts über den direkten, unmittelbaren Kontakt mit dem Objekt der Begierde auf vier Rädern – und den gibt es heuer eben nicht im Design Center, sondern in den Händler-Schauräumen. Daher hat der Linzer Autofrühling auch weiterhin seine Berechtigung.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch dieses Magazin zieht, ist die Elektrifizierung des Antriebs. Wie sehen Sie dieses Thema? Ist es der Königsweg, das uns den Weg in die automobile Zukunft weist?

Die Elektrifizierung der Antriebe wird weiter rasant voranschreiten – es kommt ja mittlerweile fast wöchentlich ein neues Modell mit Mild-Hybrid-Antrieb, Voll-Hybrid-Antrieb, Plug-in-Hybrid-Antrieb oder ein vollelektrisches Modell zu den Händlern.

Der Kunde profitiert davon, weil die Auswahl größer und größer wird. Da es aber auch noch andere alternative Antriebe gibt wie etwa die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie, kann man noch nicht von der Elektromobilität als Königsweg sprechen. Ich bin überzeugt davon, dass wir in zehn, 15 oder 20 Jahren noch Verbrennungsmotoren haben werden.

Ein großes Zukunftsthema sind ja schließlich auch die synthetischen Kraftstoffe. Dabei sollen fossile Kraftstoffe durch regenerative Kraftstoffe ersetzt werden.

Zurück zum Linzer Autofrühling: Was zeichnet diese Automesse aus? Was macht den Autofrühling so besonders?

Es sind gleich mehrere Besonderheiten. Erstens gibt es den Linzer Autofrühling bereits seit dem Jahr 1971. Zweitens ist da die Ausstellungsordnung zu nennen, die vieles regelt und alle Aussteller gleich behandelt. Drittens gab es beim Linzer Autofrühling immer wieder Österreich-Premieren. Nicht selten feierten neue Modelle beim Genfer Salon Weltpremiere – und waren dann wenige Tage später bereits in Linz zu sehen.

Wir versuchen gemeinsam, das Interesse am Auto zu wecken Image 2

Viertens hat der Linzer Autofrühling überregionale Bedeutung und Vorbildwirkung. Wir waren schließlich Vorbild für viele Automessen in Österreich. Und wir versuchen – fünftens – alle gemeinsam etwas zu machen, damit das Interesse am Auto geweckt wird. Dabei ziehen wir an einem Strang. Der Vorstand mit Ernest Wipplinger, Christoph Günther, Bernd Kirisits (OÖNachrichten) und mir wird sich auch weiterhin bemühen, das Gemeinsame hochzuhalten und den Autofrühling in diesem Sinne weiterzuführen.

Wie würden Sie das Verhältnis der beteiligten Händler untereinander, die ja eigentlich Konkurrenten sind, beschreiben?

Gerhard Dallinger, mein Vorgänger als Präsident des Linzer Autofrühlings, hat einmal in einem Interview gesagt, dass im Laufe der Zeit aus Kollegen beziehungsweise Konkurrenten Freunde geworden sind. Dem kann ich nur beipflichten – und das ist einzigartig. Diese Gemeinschaft wird von uns auch gelebt, nicht nur im geschäftlichen Bereich.

Nun zwei persönliche Fragen: Was sind denn Ihre ersten Erinnerungen an den Autofrühling?

Meine erste Erinnerung ist die ESG-Halle in Linz, die mir aufgrund der Menschenmengen in bleibender Erinnerung ist. In den 1970er-Jahren war eine Autoausstellung an sich ja etwas Besonderes – noch dazu, wenn es so wie in Linz seinerzeit so viele tolle, schicke und teure Autos zu sehen gab. Das war für mich damals sehr beeindruckend.

Was war denn bisher Ihr schönstes und prägendstes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Linzer Autofrühling?

Es war immer wieder eine große Freude, Paul Zeilinger und Gerhard Dallinger, meine beiden, leider viel zu früh verstorbenen Vorgänger als Präsidenten, zu sehen, wie sie kurz vor der Eröffnung des Autofrühlings beim Eingang standen. „Schau, wie sie kommen, die Leut‘!“ haben sie immer wieder gesagt – und sie haben sich so gefreut, dass der Autofrühling so gut ankommt.

Sehen wir uns 2022 wieder im Design Center in Linz?

Ja, davon bin ich überzeugt. Aber halt in einer etwas anderen Form – ich glaube nicht, dass 30.000 Besucher kommen werden oder kommen dürfen. Vielleicht wird der Autofrühling digitaler, vielleicht etwas kleiner.